Die Schulchronik von Aulosen

Das alte Büchlein

Die Schulchronik von Aulosen wurde in den Jahren 1874 bis 1919 vom jeweiligen Küster und Lehrer im damaligen Aulosen geschrieben. So entstand im Laufe der Jahrzehnte ein handgeschriebenes Büchlein, welches die Geschichte unserer Gemeinde in beeindruckender Weise dokumentiert. (Foto links)

Eine Seite aus dem Original

In den Jahren 1995 und 1996 brachte die ehemalige Bürgermeisterin von Aulosen, Rosemarie Neumann, die alte deutsche Handschrift in mühseliger Kleinarbeit in eine lesbare Form.

Nachfolgend finden Sie einen Auszug aus der Schulchronik. Das ca. 90 Seiten umfassende Gesamtwerk können Sie hier als ZIP-Datei (280 kB) downloaden.

Lesen bildet !Die Schulchronik von Aulosen

Vorbericht

Als ich, Unterschriebener, als Inhaber dieser Stelle am Ende des Jahres 1873 von der vorgesetzten Behörde den Auftrag erhielt, eine Schul-Chronik über Aulosen anzufertigen, so hielt ich es nicht für unpassend, den Stoff dazu zu nehmen aus dem Erzählen meines Amtsvorgängers Krüger, der, als er im Jahre 1834 starb, 67 Jahre alt war.

Nach seinem Erzählen war er ein Kind armer Eltern in Drösede gewesen und hatte als solches alle Jahre den Marientag benutzt, sich am Mittage dieses Tages, mit mehreren armen Leuten und Kindern, auf dem Gute Stresow mit Erbssuppe und Mohrrüben mit Kartoffeln zu sättigen, und dann mit dem halben Brode unter dem Arme vergnügt nach seinen Eltern zurück ging.
Hiernach habe ich das Ganze in die alte- mittlere- und neue Geschichte eingeteilt.
Die alte Geschichte, welche etwas dunkel ist, enthält den Grund zu der Entstehung der Küsterei bis zum Jahre 1783.
Die mittlere Geschichte von 1784 bis 1835 enthält die Vereinigung der Schule mit der Küsterei.
Die neue Geschichte von 1836 bis 1880 enthält die verschiedenen Veränderungen, resp. Verbesserungen dieser Stelle resp. Amtsjubiläum und Emeritirung.


Alte Geschichte ( Dunkle Zeit ) Entstehung der Küsterei

Vor etwa 400 Jahren lebte der Besitzer des Rittergutes Stresow, v. Jagow, mit seinem jungen Weibe in der größten Zufriedenheit. Er war sehr reich an irdischen Gütern; denn außer Stresow gehörtem ihm noch die Güter Aulosen, Pollitz, Calenberge, Scharpenhufe, Gr. Garz, Crüden, Vielbaum, Gehrhof, Gr. und Kl. Capermoor und noch mehre andere. Da der deutsche Kaiser von den Türken mit Krieg bedroht war, so ward auch er von dem Kaiser augefordert, als Ritter gegen die Türken zu kämpfen und gerieth in Gefangenschaft. Da er keine Hoffnung hatte, je wieder aus der Gefangenschaft befreit zu werden, so sann er auf Mittel, wie er entkommen möchte. Er lernte eine schöne Türkin kennen, offenbarte derselben, dass er in seiner Heimat viele Güter besitze und dass, wenn sie ihm behülflich sei zu entkommen, er sie mitnehmen wolle und dann sein Weib werden solle. Sie besorgte ihm Frauenkleider und als Weibsperson gekleidet gingen sie beide fort und entkamen glücklich. Als Bettler mußten beide den weiten Weg machen und als Bettler kamen sie am Marien Tage (den 25.März) auf dem Rittergute Stresow an; es war gerade Mittag. Da sie als Bettler in Lumpen gehüllt dort ankamen, so sprachen sie auch als solche vor und baten um Mittagessen. Da das Gesinde zu Mittag Erbssuppe und Mohrrüben und Kartoffeln gegessen hatte, so bekamen sie auch das übrigebliebene, erst Erbssuppe und dann Mohrrüben und Kartoffeln und als sie sich hieran gesättigt hatten, bekam jeder von ihnen noch ein halbes Brod und wurden dann beschieden weiter zu gehen. Hierauf gab er sich kund, erzählte seiner Frau von seinem Unglücke im Kriege und von seinem Entkommen mit Hülfe der neben ihm stehenden Türkin; aber auch, dass er es dieser versprochen habe, sein Weib zu werden. Seine Frau freute sich, dass er wieder da sei und ward gar nicht bös darüber, dass er sich noch ein Weib mitgebracht habe und haben dann in Frieden und vergnügt mit einander gelebt. Aus Dankbarkeit gegen Gott hat er dann eine Kapelle auf den Gütern Aulosen gebaut, einen Prediger und einen Küster an derselben angestellt und besoldet. Zu dieser Kapellen-Gemeinde gehörten die Güter Aulosen und Stresow resp. Tagelöhner-Wohnungen.

Zum Andenken an diese wunderbare Begebenheit mussten sich alljährlich am Marientage alle armen Kinder und ältere Personen auf dem Gute Stresow versammeln, woselbst sie mit Erbssuppe und dann mit Mohrrüben mit Kartoffeln bewirtet wurden. Am Ende der Mahlzeit bekam jeder dieser armen Leute und Kinder noch ein halbes Brod, worauf sie dann wieder nach Hause gingen. - In der Kirche zu Groß-Garz ist er nach seinem Tode beigesetzt, wie auch seine beiden Frauen, die eine zu seiner rechten und die andere zu seiner linken Seite. -

Mittlere Geschichte

Der Kapellenküster, Gutwort, war zu Anfang des Jahres 1783 gestorben und der bisherige Bediente des Geheimrathes Matthias Friedrich von Jagow auf Aulosen, ward zum Küster der Kapelle ernannt. Er hieß Burghardt, und war zugleich auch Küster zu Deutsch und der Prediger zu Deutsch war auch Prediger in der Kapelle auf den Gütern Aulosen. Mit der Schule hatte der Küster der Kapelle nichts zu thun (denn die Schule war in Klein-Aulosen und die Kirchengeschäfte in der Kirche Klein-Aulosen, wurden von dem Küster in Bömenzien besorgt.) sondern er bekleidete nebenbei noch das Amt eines Gericht-Schreibers, weil nahe bei der Küsterwohnung das Gefängniss war,**wo in jeder Woche zwei Tage Gericht gehalten wurde. - Das Gericht nahm etwa am Ende des 18.Jahrhunderts ein Ende und da kurz zuvor der Schullehrer in Klein-Aulosen (er hieß Freymann) gestorben war, ward von den Dorfgemeinden den Kapellenküster Burghard der Antrag gemacht, für ihre Kinder die Schule zu übernehmen. Von dem oben erwähnten Geheimrath wurde es dem p. Burghart erlaubt, dass, wenn er seine Wohnstube zum Schulehalten hergeben wolle, er sich das Schulgeld verdienen könne, was denn auch geschah.

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**, das jetzige Böllntinsche-*, ehemalige Peterschulzesche-Haus, war das Gefängniss mit der Wohnung des Gerichts-Vogts. Der letzte Vogt hieß Gelbke

*Jetzt Rundstedtsche (spätere Ergänzung)

Als im Jahre 1783 der Bediente, Burghard zum Küster der Schloss-Kapelle von dem Geheimrath ernannt war, ward auch von demselben das Einkommen für den jedesmaligen Küster der Kapelle festgesetzt. Da diese Schrift sich noch in meinen Händen befindet und immerher zum Quittungs-Buch benutzt wurde, wie auch jetzt noch dazu gebraucht wird, so halte ich es nicht für überflüssig es hier folgen zu lassen.

Der Titel:

Geld und Deputat, auch Emolumenten Buch für
den jedesmaligen Küster der Auloser Schloß-
Capelle von Michaelis 1783 ab.

Matth. Frd. v. Jagow

auf Alt- u. Neu-Aulosen

den 7. Januar 1784.